Meine Oma Christa musste Anfang Januar leider ins Pflegeheim. Die Diagnose seit ca. einem Jahr lautet Altersdemenz herbeigeführt durch Einblutungen ins Gehirn. Als sie an Heiligabend abschließend am Telefon meinte “Naja, wir kommen schon irgendwie durch den Krieg” konnte ich noch darüber schmunzeln. Ihre gute Freundin Ute, die sich seit längerem aufopferungsvoll um meine Oma kümmert, meldete sich etwa eine Woche später, um mir mitzuteilen, dass es nun soweit wäre.
In den letzten Wochen wurde meine Oma immer verwirrter, teilweise sogar aggressiv, ließ schon mal den Gasherd brennen oder rannte mitten in der Nacht auf die Straße. Alleine in ihrem Haus konnten wir sie nun nicht mehr lassen. Da niemand aus der Familie in der Nähe wohnt und auch niemand die Zeit für einen solchen Pflegefall aufbringen könnte, kam sie vor ein paar Wochen in besagtes Pflegeheim. Da man einen alten Baum bekanntlich nicht entwurzelt, haben wir uns für ein Heim in ihrem Heimatort Hofgeismar entschieden. Die ersten Tage waren wohl noch etwas beschwerlich für meine Oma, zudem im Heim gerade ein Mageninfekt umging, den sie sich direkt einfing. Mittlerweile hat sie sich ganz gut eingelebt, auch der Magen ist wieder ok.
Wir hatten uns das Heim und ihr Zimmer bei einem Besuch kurz vor dem Umzug schon mal angesehen, und sowohl Pflegepersonal als auch die anderen Bewohner machten einen netten Eindruck. Die Räumlichkeiten sind modern, und die Abteilung ist spezialisiert auf Demenzkrankheiten. Ich habe das Gefühl, meine Oma ist in guten Händen, auch wenn die “Abschiebung” natürlich traurig ist und man es sich doch eigentlich anders wünscht für einen nahen Angehörigen. Ich hoffe, dass sie etwas Anschluss zu den anderen Bewohnern findet, denn in ihrem Haus war sie doch sehr einsam - die meisten Freunde schon gestorben oder selbst zu krank oder verwirrt für Besuche.
Was ich mir allerdings in meinen jungen Jahren nie ausgemalt hätte, ist der Bürokratiehorror, der nun auf mich und meinen Papa hereinprasselt. Rechnungen für das Haus wollen bezahlt werden, das Sozialamt klopft eifrig an die Tür und das Pflegeheim stellt alle möglichen zusätzlichen Anforderungen - alle wollen Geld, Geld, Geld. Meine Oma muss nun sauteure Protektorenhosen tragen, wo sie doch ihr ganzes Leben lang nur Röcke angezogen hat. Ihre selbstgestrickten Röcke sind außerdem eine Zumutung für das Heim, weil man die angeblich nicht waschen kann - aha, denk ich mir: Meine Oma trägt also seit 85 Jahren ungewaschene Klamotten..
Man darf auch nicht annehmen, dass im Heim alles inklusive ist. Nebst geforderter Sträflings-, äh ich meine Einheitskleidung müssen auch alltägliche Dinge wie Zahnpasta, Mineralwasser, Friseur oder Fußpflege aus eigener Tasche gezahlt werden. So ein Heimplatz kostet an die 3000EUR im Monat, und da ist keine Zahnpasta dabei? Da fass ich mir einfach nur an den Kopf. Nächstes Mal werde ich nachfragen, ob es Klopapier umsonst gibt - wahrscheinlich nur recycletes aus Schmirgelpapier!
Ich hoffe, dass sich bald alles einspielt, wenn die anfänglichen Anschaffungen erledigt sind, die Rechnungen bezahlt und mit dem Sozialamt alles geklärt ist. Im Februar werden wir meine Oma das erste Mal im Heim besuchen. Ich bin ein wenig ängstlich, ob meine Oma mir den Umzug übel nimmt, aber vielleicht freut sie sich ja auch ein wenig über unseren Besuch.